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Der Bürgermeister informiert

Bürgermeister Matthias Guderjan
Bürgermeister Matthias Guderjan
Sehr geehrte Bürgerinnen und Bürger,
die Entwicklung der Ortsdurchfahrt war das zentrale Thema der Einwohnerversammlung am 22. November. 28 Wortbeiträge aus den Teilnehmerreihen allein hierzu zeigen, wie aktuell dieses Thema nach wie vor ist, wie leidenschaftlich und wie widersprüchlich die Angelegenheit diskutiert wird.

Die vollkommen entgegen gesetzten Erwartungen und Ansprüche im Hinblick auf die Gestaltung der Stadtmitte machen es schwer, aus der Summe der Beiträge inhaltliche Schlüsse zu ziehen. Genau das war der Grund, warum die Gestaltung der Hauptstraße nach Bürgerversammlungen, Zukunftswerkstatt, Workshop, Lokale Agenda und zuletzt einem Gemeinderatsbeschluss im Juli 2012 bisher nicht umgesetzt, sondern jetzt noch einmal aufgerufen wurde.

Im Fokus der Auseinandersetzung steht dabei nach wie vor der Verkehr – sowohl der fließende als auch ruhende.

So wird bemängelt, dass in der Vergangenheit versäumt worden sei, Ausweichmöglichkeiten für den Durchgangsverkehr zu schaffen, weshalb die Hauptstraße überaus belastet sei und vorgeschlagen, die Alte Straße nach Hecklingen zu reaktivieren. Tatsächlich werden seit dem Bau der Gemeindeverbindungsstraße rund 45 Prozent des Verkehrs, der ansonsten durch die Stadtmitte flösse, um Kenzingen geleitet – auch der Schwerlastverkehr und die Autobahnausleitungen bei Stau auf der A 5.

Festgestellt wird weiter, dass es an Parkplätzen in der Innenstadt fehle, weshalb bei Gestaltungsüberlegungen keine Stellplätze entfallen dürften. Dabei ist derzeit nahezu jede taugliche Fläche als Stellplatz ausgewiesen. Zudem hat die Stadt in den letzten Jahren neue öffentliche Parkplätze geschaffen hat, zuerst am Kirchplatz, zuletzt an der Industriestraße. Kenzingen ist so derzeit eine autofreundliche Stadt, das Parken ist frei und die Überwachung eingeschränkt.

Das mit der Verkehrsplanung beauftragte Ingenieurbüro FWT, Freiburg, schlägt vor, den Vorrang für den Kraftverkehr weitergehend als in der Beschlussfassung 2012 vorgesehen zu beschneiden und die Nutzung des öffentlichen Raumes in der Hauptstraße neu aufzuteilen. So soll Fußgängern, Radfahrern, der Gastronomie und Sondernutzungen mehr Raum zuteil werden. Dafür soll die Anzahl der Stellplätze entlang der Hauptstraße und deren Fahrbahnbreite reduziert werden.

Die Einwohnerversammlung am 22. November hat gezeigt, dass diese Vorschläge aus der Einwohnerschaft heraus durchaus kräftig unterstützt werden. Keine einfache Ausgangssituation für den Gemeinderat und die Verwaltung im Hinblick auf die weitere Vorgehensweise.

Festzuhalten ist: Reger Durchgangsverkehr und Stellplätze wo immer möglich haben dem Rückgang des Einzelhandels in der Innenstadt nicht Einhalt geboten. Es stellt sich deshalb die Frage, ob Vorfahrt für den PKW-Verkehr die richtige Art und Weise ist, den Herausforderungen der nächsten Jahre zu begegnen.

Natürlich spielen auch andere Aspekte bei der Entwicklung der letzten Jahre eine Rolle: Da ist die Entwicklung des Einzelhandels insgesamt hin zum Discounter und zum Vollsortimenter vor Ort einerseits und zum Onlinehandel andererseits.

Wobei: Vollsortimenter und Discounter gibt es in Kenzingen seit Jahrzehnten. Sie sind hier nicht auf der sogenannten ‚grünen Wiese‘ verortet, sondern nahe am Stadtzentrum, in unmittelbarer Nähe zu Wohngebieten und gelten folgerichtig als integrierte Standorte. Im Stadtzentrum sind insbesondere in Kenzingen weder ausreichende Ladenflächen noch freie Grundstücke verfügbar, die den Anforderungen der Großanbieter genügen. Andererseits: Ohne diese oft kritisierten Supermärkte wäre die Nahversorgung insgesamt deutlich schlechter, würden die Großeinkäufe in den Nachbargemeinden getätigt.

Der Onlinehandel wiederum macht dem stationären Einzelhandel mit Ausnahme des täglichen Bedarfs ernsthafte Konkurrenz bis hin zur Existenzgefährdung in einzelnen Branchen. Letztendlich entscheidet hier der Verbraucher vor Ort, inwieweit er dieses Angebot dem örtlichen vorzieht und so mit zur im weiten Rund bedauerten Entwicklung beiträgt. Und letztendlich entscheidet der örtliche Anbieter, inwieweit er sein Angebot zusätzlich online stellt oder stellen kann.

Die Leerstände in der Innenstadt hängen zudem neben der Erreichbarkeit und ihrer Größe zu einem Teil sicher auch von der Qualität der nicht bewirtschafteten Ladenflächen ab und inwieweit diese den Anforderungen modernen Einzelhandels entsprechen. Hier sind im Zweifelsfall die Gebäudeeigentümer gehalten, Angebot und Miethöhe zu überprüfen.

Die Stadt strebt unabhängig davon mit der Aufnahme der Gebäude entlang der Hauptstraße in das Sanierungsgebiet Nordwestliche Altstadt die Aufwertung von Geschäfts- und Wohnräumen an, will so Hilfestellung zu leisten mit dem Ziel, wohnen und arbeiten in der Hauptstraße zu fördern.

Tempobeschränkung, Barrierefreiheit, Herausnahme des Durchgangsverkehrs, zusätzliche Stellplatzangebote – ohne Umbau können die derzeitige Situation allenfalls zusätzliche Querungshilfen verbessern. Zudem wird ein Versuch, die Vorfahrt der Hauptstraße aufzuheben, geprüft. Dabei muss sichergestellt sein, dass die Linienbusse ihren Fahrplan einhalten können, da ansonsten der Anschluss an die Rheintalscheine nicht mehr funktioniert.

Nachhaltige Änderung verspricht allein eine Neuverteilung des öffentlichen Raumes, der dem Kraftverkehr weniger, dem Fußgängern, Radfahrern und dem Erlebnisraum in der Stadtmitte mehr Platz einräumt. Dabei muss eine leistungsfähige Fahrbahn erhalten bleiben, die den erheblichen Ziel- und Quellverkehr aufnehmen kann. Dazu sind mehr Querungsmöglichkeiten herzustellen, die Fußgängern das gefahrlose Wechseln der Straßenseite ermöglichen. Hierbei sollte erreicht werden, dass für an der Hauptstraße künftig entfallende Stellplätze Ersatz in unmittelbarer Nähe entsteht.

All diesen Anforderungen versuchen die Vorschläge des Planungsbüros FWT gerecht zu werden. Ziel dabei ist eben nicht, allein den Anforderungen des fließenden und des ruhenden Verkehrs Vorrang einzuräumen, sondern allen Nutzern des öffentlichen Raums gerecht zu werden und die Hauptstraße als Lebensraum zu gestalten, der gut mit dem Fahrrad zu erreichen ist, zu dem es vom PKW-Stellplatz lediglich ein paar Schritte zu Fuß sind und der zum Verweilen einlädt. Gelingt dieser Interessenausgleich nicht, sind erhebliche Investitionen in den öffentlichen Raum hier nicht vertretbar. Den Zweiflern sei geraten, doch einmal die heutige Verkehrssituation mit der um die Jahrtausendwende zu vergleichen und dabei nicht vorrangig im Auge zu haben, was bisher nicht geschah, sondern das, was seither erledigt wurde.

Alle, Befürworter und Skeptiker, sind jedenfalls herzlich eingeladen, an der weiteren kommunalen Willensbildung mitzuwirken. Eine erste Runde hierzu wird am 24. .Januar in der Aula des Gymnasiums stattfinden, wo die Verkehrsplaner zunächst ihre Schlüsse aus der Einwohnerversammlung vortragen und anschließend die Anregungen und Bedenken weiter sammeln und kategorisieren werden. Eine gute Gelegenheit, persönlich und direkt an der Entwicklung unserer Stadt mitzuwirken, meint

Ihr
Matthias Guderjan
Bürgermeister

 

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