• [key] + 1: Bedienhilfe
  • [key] + 2: direkt zur Suche
  • [key] + 3: direkt zum Menü
  • [key] + 4: direkt zum Inhalt
  • [key] + 5: Seitenanfang
  • [key] + 6: Kontaktinformationen
  • [key] + 7: Kontaktformular
  • [key] + 8: Startseite

[key] steht für die Tastenkombination, welche Sie drücken müssen, um auf die accesskeys Ihres Browsers zugriff zu erhalten.

Windows:
Chrome, Safari, IE: [alt] , Firefox: [alt][shift]

MacOS:
Chrome, Firefox, Safari: [ctrl][alt]

Zwischen den Links können Sie mit der Tab -Taste wechseln.

Karteireiter, Tabmenüs und Galerien in der Randspalte wechseln Sie mit den Pfeil -Tasten.

Einen Link aufrufen können Sie über die Enter/Return -Taste.

Denn Zoomfaktor der Seite können Sie über Strg +/- einstellen.

Item 1 of 5

Der Bürgermeister informiert

Bürgermeister Matthias Guderjan
Bürgermeister Matthias Guderjan
Veröffentlicht am Donnerstag, 10. September 2020
Sehr geehrte Einwohnerinnen und Einwohner, seit einem halben Jahr steht die Corona-Pandemie im Mittelpunkt unser aller Leben, beherrscht Politik und Wirtschaft, das gesellschaftliche Miteinander, die Familien, die Schulen und Kindertagesstätten, Vereinsaktivitäten, dazu die Schlagzeilen, Medien und sozialen Netzwerke. Kein Bereich ist unberührt und ein Ende dieser besonderen Herausforderung ist derzeit nicht abzusehen. Was macht die Pandemie mit unserem Land, unserer Gesellschaft, unserer Stadt, mit uns? Wie geht es weiter?

Im Gegensatz zu den auch in der Vergangenheit regelmäßigen Grippewellen hat das Covid-19-Virus und seine hohe Ansteckungsrate, die explosionsartige Verbreitung der Infektionen, niemand wirklich kommen sehen. Die Krise traf alle Beteiligten weitestgehend unvorbereitet, es gab keine Blaupause, nach der man hätte handeln können, die Aufgabenstellungen waren allesamt neu. In der Folge wurden und werden vom Bund, den Ländern bis hin zu den Kommunen zum Teil unterschiedliche und in schneller Folge wechselnde Regelungen getroffen, die unser aller Leben nachhaltig beeinflussen: Versammlungsverbote bis in den familiären Bereich hinein, geschlossene Kindertagesstätten, Schulen, Geschäfte, Reisewarnungen, Abstandsregelungen, Maskenpflicht. Letztendlich gelang es, die Verbreitung des Virus in Deutschland in Grenzen zu halten - insoweit bei 250.000 derzeit nachgewiesen Infektionen und rund 10.000 Todesfällen davon gesprochen werden kann. Die ansteigenden Fallzahlen der letzten Wochen weisen jedoch darauf hin, dass die Pandemie eine solche und nicht bewältigt ist - weltweit 27 Mio. Infektionen und fast 900.000 Todesfälle sprechen eine unmissverständliche Sprache.

Mund-Nasen-Bedeckung, Abstandsregeln, Desinfektion und das Gebot der Vorsicht werden von den Allermeisten auch im eigenen Interesse beachtet und dienen ja nicht nur dem Schutz des Individuums vor der Allgemeinheit, sondern schützen immer auch die Allgemeinheit vor dem Individuum.

Indes sieht eine auch infolge der medialen Beachtung unübersehbare Minderheit verschiedenster weltanschaulicher Überzeugung in den aktuellen Einschränkungen die Freiheit des Einzelnen, die bürgerlichen Rechte, die Grundrechte, die Demokratie untergraben. Während in anderen Staaten die unzureichende Reaktion der Politik auf die Pandemie und deren Folgen diskutiert und kritisiert wird, werden die Einschränkungen hier zum Anlass genommen, das System in Frage zu stellen. Insbesondere die rechte Szene nutzt die Lage für ihre Zwecke und überschreitet dabei bewusst Grenzen, um unseren Staat vorzuführen. Die Szenen vor dem Bundestag waren beschämend und haben weltweit für Beachtung gesorgt. Eine Elite-Skepsis, weltanschauliche Botschaften, Verschwörungstheorien unterschiedlichster Art und rechtes Gedankengut finden zusammen und infolge hoher medialer Beachtung große Verbreitung, die sozialen Netzwerke vervielfachen den Effekt. Neben Informationen findet dort jede Art von Gesinnung, Meinung, Ahnung oder Absicht nahezu ungefiltert und gleichberechtigt Verbreitung. In der Folge sind Wahrheit und tatsächliche Gegebenheiten schwer von manipulierten Inhalten zu unterscheiden. Diese Informationsflut verwirrt und überfordert einerseits viele Empfänger und kann den einzelnen Nutzer in jedweder individuellen Sicht der Dinge bestätigen. Am Ende bleibt das Gefühl, mit der Pandemie verliert unsere Demokratie an Zustimmung, wächst der Widerstand vermeintlich zu Unrecht und über die Maßen Gegängelter. Auch wenn diese Gruppe nur einen sehr geringen Anteil an der Bevölkerung ausmacht, gewinnt diese durch die mediale Aufmerksamkeit an Gewicht.

Diese Personengruppe gibt es auch in Kenzingen, die Veranstaltungen gegen die Corona-Einschränkungen weisen ebenso darauf hin wie Kommentare in den sozialen Netzwerken. Adressat ist dabei oft die Stadtverwaltung,  auch in Angelegenheiten, die nicht bei der Stadt zu verorten sind. Der Strom fällt aus? Zu wenig Megabits Datenübertragung? Der Nachbar will nicht so wie ich? Dazu gesellt sich eine deutliche Zunahme unterschiedlichster anonymer Anzeigen. Das lösungsorientierte Gespräch ist der Beschwerde, der Anzeige gewichen. Der Ton wird dabei zunehmend rauer, indifferenzierter. Es stellt sich die Frage nach den Ursachen.

Denn ungeachtet aller Einschränkungen auch für die Stadt selbst ist es in Kenzingen gelungen, die Aufgaben der öffentlichen Hand durch die Krise hindurch vollumfänglich zu erfüllen. Die städtischen Beschäftigten haben dabei durchweg bestmögliche Lösungen für die Einwohnerinnen und Einwohner angestrebt. So hat die Verwaltung ihren Betrieb ungeachtet der erheblichen zusätzlichen Beanspruchung durch die Umsetzung der staatlichen Maßgaben immer aufrecht erhalten. Die Kindertagesstätten und die Schulen haben ihren Betrieb nach dem Lockdown Mitte März so bald als möglich im zulässigen Maß wieder aufgenommen. Wasserversorgung, Abwasserbeseitigung, die Unterhaltung der Infrastruktur erfolgten ohne Unterbrechung, die Baumaßnahmen etwa in der Hauptstraße oder in Nordweil wurden nicht unterbrochen. Zudem erholt sich die Wirtschaft nach erheblichen Einbrüchen langsam, manche Branchen, auch hier in Kenzingen, waren und sind allerdings ganz erheblich betroffen.

Und jetzt? Die Infektionszahlen steigen wieder und niemand weiß zuverlässig, wie sich die Situation nach den Ferien der Kindertagesstätten und mit dem Schulbeginn entwickelt. Die hoffentlich vorübergehende Maskenpflicht auf den Schulhöfen weist aber auf befürchtete Szenarien hin.

Unter dieser Entwicklung leidet vor allem und besonders nachhaltig das Miteinander, die Stadtgesellschaft, die Lebensqualität vor Ort, das, was Stadt eigentlich ausmacht.

Private Zusammenkünfte waren untersagt und sind weiterhin eingeschränkt. Die Geschäfte, die Gaststätten, das Kino waren erst geschlossen und sind nach wie vor im Betrieb reglementiert. Familienfeste haben nicht stattgefunden oder wurden verschoben, lange Zeit gab es keinerlei Sportveranstaltungen, auch keinen Trainingsbetrieb, etwa für die Kinder und Jugendlichen. Abiball, Vereinsfeste, Hocks, Boulevard Breisgau Fehlanzeige. Der Neubürgerempfang, die Präsentation der neuen Pforte in das Jahr 2021 verschoben. Nach dem Kenzinger Frühling wird jetzt in Abstimmung mit der Handels- und Gewerbevereinigung zudem auf den Kenzinger Herbst verzichtet, weil die Auflagen für eine derartige Veranstaltungen nicht eingehalten werden können. Damit entfällt auch der für den Einzelhandel so wichtige verkaufsoffene Sonntag. Weiter ist zum jetzigen Zeitpunkt nicht klar, ob heuer der Weihnachtsmarkt stattfinden kann.

Diese Situation ist ausgesprochen unbefriedigend: Die seit Monaten fehlenden Angebote, sich in Gemeinschaft zu begegnen, die ausgefallenen Gelegenheiten, das Miteinander zu pflegen, örtliche Kultur zu genießen, zusammen zu feiern, die fehlenden Gemeinschaftserlebnisse mögen der Grund für die spürbare Verdrossenheit zumindest in Teilen der Einwohnerschaft sein. Das gemeinsame Bestreben von Stadt, Vereinen und Vereinigungen sollte deshalb dahin gehen, hier sobald dies möglich ist zur Wiederherstellung der bürgerschaftlichen Aktivitäten beizutragen und zusammen daran mitzuwirken, dass unsere Stadt nicht nur funktioniert, sondern ein Gemeinwesen bleibt, in dem es sich gut und gerne leben lässt, meint

Ihr

Matthias Guderjan

Bürgermeister