Warum wir die Betreuungsgebühren anpassen müssen – Ein offenes Wort des Bürgermeisters

Mittlerweile fließt rund 8 Millionen Euro – somit rund ein Drittel des städtischen Haushaltsbudgets – in den Bereich Bildung und Betreuung. Das finde ich als Bürgermeister richtig und wichtig – und dennoch ergibt sich allein im Bereich der Kinderkrippen („U3“), Kindergärten („Ü3“) und außerschulischen Betreuung ein Defizit von jährlich 3,4 Millionen Euro.
Diese Summe muss aus anderen Bereichen querfinanziert werden – sie fehlt also an anderer Stelle.
„Ein Drittel unseres Haushalts fließt in Bildung und Betreuung – trotzdem entsteht in diesem Bereich ein Defizit von 3,4 Millionen Euro.“
Trotz dieser finanziellen Herausforderung steht die Stadt Kenzingen für qualitativ hochwertige und bedarfsgerechte Kinderbetreuung.
Das zeigt sich an vielen konkreten Maßnahmen:
• Wir haben zusätzliches Personal eingestellt, um Ausfälle abzufangen.
• Wir bilden verstärkt selbst aus, um eigene Fachkräfte zu gewinnen.
• Wir haben eine pädagogische Fachberatung etabliert.
• Wir subventionieren das Schulessen im Ganztagsbereich.
• Wir planen eine neue Kinderkrippe in Hecklingen (20 Plätze) und schaffen zusätzlich 14 U3-Plätze ab September im Rahmen der Zusammenarbeit mit Malterdingen.
• Wir bauen das Betreuungsangebot an der Drei-Linden-Grundschule bedarfsgerecht aus.
Auf diese Leistungen können wir als Stadtgemeinschaft stolz sein – und wir setzen uns mit Überzeugung für die Betreuung und Bildung unserer Kinder ein.
„Wir investieren weiter: Neue Kinderkrippe, Ausbau der Grundschulbetreuung, mehr Personal, eigene Fachkräfte – auf all das können wir stolz sein.“
Die Finanzierung der Betreuungsangebote in Baden-Württemberg beruht auf einem Mehrkomponentenmodell: Sie setzt sich aus Landeszuschüssen, kommunalen Mitteln und Elternbeiträgen zusammen.
Wichtig zu wissen: Ohne Elternbeiträge fließen keine Landeszuschüsse!
Ein Kostenbeispiel - die zweijährige Lena geht in den KiTa Franziskanergarten von Montag bis Freitag und wird dort von 7:15 Uhr bis 14:15 Uhr betreut, die wöchentliche Betreuungszeit beträgt 35 Stunden.
Dieser Platz kostet die Stadt Kenzingen: 2.646 EUR
Der Landeszuschuss beträgt: 1.150 EUR
Aus dem städtischen Haushalt: 931 EUR
Der Elternanteil beträgt: 565 EUR ab dem 01.09.2025
Weitere Kinder im Haushalt ermäßigen die Elternbeiträge.
Unmittelbar vor der letzten Gemeinderatssitzung demonstrierten Eltern mit ihren Kindern vor dem Rathaus. Sie protestierten gegen die geplanten Erhöhungen der Gebühren für die außerschulische Betreuung. Dieser Protest zeigt deutlich, wie sehr das Thema die Familien in unserer Stadt bewegt – und das ist absolut nachvollziehbar.
Gerade in Zeiten hoher finanzieller Belastung für viele Haushalte ist Sensibilität gefragt. Gewünscht hätte ich mir eine Einladung zu einer konstruktiven Diskussion mit den beteiligten Eltern vorab – in der ich die städtische Position zur Gebührenanpassung gerne begründet hätte.
„Ich danke allen, die friedlich ihre Meinung zum Ausdruck gebracht haben. So funktioniert gelebte Demokratie.“
Die letzte Gebührenerhöhung gab es 2021. Seitdem sind die Kosten durch Inflation und Tarifabschlüsse stark gestiegen.
Ein Kostenbeispiel - der sechsjährige Max geht in die die Ganztagesbetreuung der Grundschule an der Kleinen Elz von Montag bis Freitag und wird dort von 7:30 Uhr bis 16:30 Uhr betreut, die wöchentliche Betreuungszeit beträgt 25 Stunden.
Dieser Platz kostet die Stadt Kenzingen: 250 EUR
Der Landeszuschuss beträgt: 10 EUR
Aus dem städtischen Haushalt: 35 EUR
Der Elternanteil beträgt: 205 EUR ab dem 01.09.2025
Weitere Kinder im Haushalt ermäßigen die Elternbeiträge.
Die kritisierte Erhöhung der Gebühren in der außerschulischen Betreuung – oft mit „70 % Steigerung“ überschrieben – bedeutet real eine Erhöhung um 54 Cent pro Betreuungsstunde in der Kernzeit- und 60 Cent im Ganztagsbereich. Vor dem Hintergrund unseres hohen Qualitätsniveaus halte ich diese Erhöhung für vertretbar.
„Die kritisierte Erhöhung entspricht real einer Steigerung von 54 bis 60 Cent pro Betreuungsstunde – angesichts unserer Betreuungsqualität halte ich das für angemessen.“
Was wir jedoch selbstkritisch feststellen müssen: Im Unterschied zum U3- und Ü3-Bereich, in dem wir 10 KiTa-Leitungen und 15 Elternbeiräten vorab am runden Tisch informieren, haben wir die geplanten Änderungen im Bereich der außerschulischen Betreuung nicht frühzeitig und transparent genug mit den betroffenen Eltern kommuniziert.
Diese Kritik ist berechtigt und ich nehme sie ernst. Gemeinsam mit dem Gemeinderat möchte ich daran arbeiten, künftig für mehr Transparenz im Verfahren der außerschulischen Betreuung zu sorgen.
„Die Kritik an der unzureichenden Kommunikation ist berechtigt – wir werden künftig für mehr Transparenz sorgen und Eltern aktiv einbinden.“
Mit Blick auf die nahe Zukunft kommt auf die Stadt Kenzingen ab dem Schuljahr 2026/27 eine weitere Herausforderung zu – der gesetzliche Anspruch auf eine Ganztagsbetreuung. Dieser Anspruch für die Grundschülerinnen und Grundschüler wird mit weiteren städtischen Ausgaben verbunden sein.
Aktuell erarbeitet die Stadt Kenzingen die Konzeption für das Ganztagsbetreuungsmodell der 1. Klassen zum Schuljahr 2026/27. Die Vorstellung ist für den Herbst geplant.
Bereits jetzt lade ich Vertreterinnen und Vertreter der Elternschaft (Elternbeiräte) ein, sich daran zu beteiligen. Das erste gemeinsame Treffen findet am 28.10.2025 um 18:30 Uhr im Ratssaal statt.
Gemeinsam möchten wir eine tragfähige Lösung entwickeln – für unsere Kinder, unsere Familien und unsere Stadt.
Ihr
Bürgermeister Dirk Schwier




